ParityQC CEO-Magdalena Hauser:
Von der Investorin zum Co-Founder

Das österreichische Ökosystem für Deep-Tech-Gründungen wächst weiter: ParityQC (PQC) wurde Anfang 2020 auf der Grundlage einer Forschungsidee von PQC-Mitbegründer Wolfgang Lechner und seinen Forschungspartnern Philipp Hauke und Peter Zoller (LHZ-Architektur) gegründet. Das Tiroler Start-up konzentriert sich auf die Lösung komplexer Optimierungsprobleme (wie das I.E.C.T. schon berichtete) im Bereich des Quanten-Computing. Das I.E.C.T. sprach mit der Co-Founderin und Geschäftsführerin Magdalena Hauser.

Magdalena, du und Wolfgang Lechner kennt euch schon länger – Wie kam es zu eurer Zusammenarbeit?

Wir haben uns vor vier Jahren kennengelernt, als Wolfgang Lechner Hermann Hauser zum ersten Mal unsere Architektur vorgestellt hat. Damals entschloss sich Hermann Hauser die Universität Innsbruck mit einer Stiftungsprofessur über die Hauser-Raspe Foundation zu unterstützen. Seit damals haben sich unsere Wege häufiger gekreuzt, bis wir uns irgendwann am Investment Tisch gegenübersaßen.

 

Wir wissen, dass Teamwork die Basis für ein erfolgreiches Projekt ist. Gibst du uns einen Einblick in die Zusammenarbeit von dir und Wolfgang Lechner? Man sieht euch auch immer sehr viel lachen bei gemeinsamen Begegnungen – hast du eine Anekdote, die du uns erzählen möchtest?

Wenn man sich als Founderteam nicht gut versteht, wirkt sich das immer negativ auf die Firma aus. Die ersten Schritte als Startup sind nie einfach und da braucht es jemanden an deiner Seite, auf den man sich 100% verlassen kann. Deshalb hilft es natürlich, wenn man sich nicht vollkommen unsympathisch ist. Außerdem ist der Start eines neuen Unternehmens – vor allem in so einem Feld wie Quantum Computing, welches für die meisten noch sehr neu ist und deshalb noch viel Erklärungsbedarf herrscht – immer mit Komplikationen verbunden. Wenn man da gemeinsam drüber lachen kann, sind diese auch leichter zu bewältigen.

 

Du hast ParityQC – damals noch LHZ – im Rahmen der Ausgründung aus der Universität Innsbruck und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) anfangs noch als Investorin begleitet. Sowohl auf der Seite als Investorin als auch als Co-Founderin handelt es sich bei dem Projekt um eine Herausforderung, wo viele Augen auf euch gerichtet sind. Unsere Leser interessiert, wie deine Erfahrungen in diesen beiden Phasen ausgesehen haben. Welche Dinge hast du für dich mitnehmen können – sowohl auf der Investorenseite als auch auf der Seite als Teil eines Spin-Offs?

Natürlich hat sich der Blick auf ParityQC mit dem Rollenwechsel geändert, aber grundsätzlich gilt für beide Seiten, dass wir wollen, dass das Unternehmen Erfolg hat. Wer davon dann halt wie viel profitiert, musste während der Ausgründung verhandelt werden. Die größten Schwierigkeiten lagen in der Koordination alle Beteiligten – wir haben neben der Universität Innsbruck noch die Österreichische Akademie der Wissenschaften an Board und die mussten mit Wolfgang Lechners und unseren Vorstellungen wie ParityQC strukturiert werden sollte, übereinstimmen. Zusätzlich mussten Verhandlungen bezüglich der Übertragung aller Patente in Firma geführt werden und das hat sich dann insgesamt über 1,5 Jahre gezogen. In meiner Funktion als Lead bei diesem Investment fiel neben der Verhandlung für die Hermann Hauser Investment GmbH (HHI) auch die Unterstützung von Wolfgang Lechner beim Aufbau der Firma als Teil des Work for Equity. Das bedeutet, wir haben gemeinsam Business Pläne, Finanzpläne, Strategien etc. geschrieben, entwickelt, verworfen, neu geplant (in 1,5 Jahren verändert sich ja auch dauernd etwas) und dann schlussendlich gemeinsam für den Grant beim Austrian Wirtschaftsservice (aws) gepitcht. Das war auch der Zeitpunkt, wo es langsam klar wurde, dass es vielleicht an der Zeit sein könnte, die Investmentseite hinter mir zu lassen und gemeinsam mit Wolfgang Lechner das Unternehmen weiter aufzubauen.

 

Eine Kernbotschaft des I.E.C.T. – das du jahrelang aufgebaut hast – ist, dass universitäre Forschung für den Markt zugänglich gemacht wird. Du bist nun selbst in das von dir mitaufgebaute Ökosystem als Gründerin eines deep tech Start-ups eingestiegen. Inwiefern haben dir die Aktivitäten des I.E.C.T. dabei geholfen und tun es immer noch?

In meiner Arbeit beim Aufbau des I.E.C.T. ging es immer darum, Forscherinnen und Forscher, sowie andere universitätsnahe Gründer zu unterstützen und möglichst alles dafür zu tun, die ersten und nächsten Schritte so einfach wie möglich zu gestalten. Ich habe versucht, mich da sehr an das Vorbild von Cambridge und vor allem auch an die Philosophie von Hermann Hauser zu halten, der auch immer betont hat, dass die besten Ideen oft aus dem universitären Umfeld kommen. Mitzubekommen, wie in Cambridge und vielen anderen Spin-off Hot Spots auf der Welt Forschung in Unternehmen umgewandelt wird, hat natürlich ebenfalls sehr geholfen. Es gibt dann einfach Fehler, die man nicht unbedingt alle selber nochmal machen muss. Andere lassen sich auch beim besten Wissen nicht vermeiden, weil man leider nicht alles vorhersehen kann. Aber da wir doch einige Berg- und Talfahrten mit Startups die letzten Jahre mitmachten, fällt es leichter, die Nerven zu bewahren. Was natürlich auch sehr hilft, sind die unglaublich tollen Menschen, die ich die Jahre über beim I.E.C.T. kennenlernen durfte und die auch jetzt nach meinem Wechsel noch mit Rat zur Seite stehen. Es freut mich auch, dass das I.E.C.T. so gut weitergeführt wird und die Arbeit, die wir am Anfang in den Aufbau gesteckt haben, jetzt in die nächste Phase übergeleitet wird. Das hat den Wechsel auch um einiges leichter gemacht.

 

Jetzt wo du auch auf der Start-Up-Seite stehst und das Ökosystem von einem neuen Blickwinkel betrachtest: wo befinden sich noch Stellschrauben an denen gearbeitet werden soll?

Es muss vor allem der Ausgründungsprozess aus der Universität vereinfacht werden. Ein einheitliches System für die Übergabe von IP an das Spin-off inklusive einer geregelten Obergrenze für die Beteiligung von Universitäten an den Unternehmen für die IP würde den Verhandlungsprozess sehr vereinfachen und die Dauer verringern. Es muss natürlich für beide Seiten fair sein, aber ein Regelwerk mit Guidelines wie es z.B. das Imperial College hat, erleichtert die Ausgründung auf jeden Fall.

Abschließend, was hat das Team rund um Wolfgang Lechner und dich für das kommende Jahr bzw. für das nächste Jahrzehnt geplant?

Für das nächste Jahrzehnt ist unsere Vision sehr klar: wir wollen die Standardarchitektur für Optimierungsprobleme am Quantencomputer werden. Dazu müssen wir als erstes unser ParityOS (das Betriebssystem rund um die Architektur) fertigstellen und dafür brauchen wir ziemlich rasch sowohl Software Developer als auch Quantum Engineers. Aber die sind ja leicht zu finden.

 

 

Danke für das Gespräch.

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